Offenbarende Wahrheit

Aus Johannes 16,13 können wir entnehmen, dass Jesus den Heiligen Geist als den Geist der Wahrheit bezeichnet, der die Heiligen in alle Wahrheit führt.
 
Johannes 16,13:
13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
 
Auch Pontius Pilatus stellte diesbezüglich eine bemerkenswerte und wiederkehrende Frage, die lautet: „Was ist Wahrheit?“ (vgl. Johannes 18,37-38)
 
Johannes 18,37-38:
37 Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
38 Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?
 
Die Wahrheit Jesu bzw. des Heiligen Geistes umfasst unter anderem das Gehörte aus der Kommunikation Gottes, weshalb es sich um das gesprochene Wort handelt und dem Bereich des Propheten in der Struktur des „Nābî“ ähnelt.
 
Der Bereich des „Nābî-Propheten“
 
Die hebräische Bezeichnung „Nābî“ wird im Wort Gottes für einen offiziellen Propheten gebraucht und bezeichnet einen Sprecher, der im Auftrag Gottes etwas verkündigt. Sie sind die sogenannten Sprecher Gottes gegenüber dem Volk bzw. ihrer Adressaten. Ihre Botschaft kann durch Zeichen bzw. Ereignisse bestätigt werden (vgl. 1.Könige 18,44). Der „Nābî-Prophet“ erhält meistens seine Offenbarung von Gott durch die Kraft des Wortes als durch Träume oder Visionen.
 
Jesus Christus ist das Wort Gottes (vgl. Johannes 1,1.14 i.V.m. Offenbarung 19,13) und lebt durch seinen Heiligen Geist in uns.
 
Johannes 1,1.14:
1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. …
14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
 
Offenbarung 19,13b:
…, 13b das mit Blut getränkt war, und sein (Anm.: Christus, der Reiter auf dem weißen Pferd) Name ist: Das Wort Gottes.
 
Es ist demnach der Heilige Geist, der die bereits etablierte Wahrheit des Wortes Gottes in uns gebraucht, um uns in eine tiefere Ebene der Wahrheit des Wortes Gottes zu führen, bei der es sich somit um offenbarende Wahrheit handelt.
 
Offenbarende Wahrheit beinhaltet, dass wir die Dinge, die Gott uns offenbaren möchte auf der Grundlage der Wahrheit des Wortes Gottes erkennen und gemäß dessen weissagen (vgl. Hesekiel 3,4 i.V.m. Offenbarung 10,11).
 
Hesekiel 3,4:
4 Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, geh hin zum Hause Israel und verkündige ihnen meine Worte.
 
Offenbarung 10,11:
11 Und mir wurde gesagt: Du musst abermals weissagen von Völkern und Nationen und Sprachen und vielen Königen.
 
Das Näherkommen der Wahrheit des Wortes Gottes
 
Hierbei soll uns die Schriftstelle aus Johannes 1,29 ff. in Verbindung mit Matthäus 3,13 dienen, wo sich der „Nābî-Prophet“ Johannes der Täufer im Flusswasser des Jordans befand, während er Jesus – das Wort Gottes auf sich zukommen sah.
 
Johannes 1,29a:
29a Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, …
 
Matthäus 3,13:
13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
 
Daraus können wir für uns als Jünger schließen, dass wir der Wahrheit des Wortes Gottes erlauben sollten, näher auf uns zuzukommen. Wenn wir in diesem Kontext Johannes, den Täufer als den Bereich der prophetischen Salbung betrachten, ist es entscheidend, dass wir uns im Zentrum der Stimme Gottes also seiner Kommunikation aufhalten, worauf das Stehen im Flussbett des Jordans hinweist, dessen Wasser kraftvoll und schnell fließt.
 
Im Kontext des Wortes ist dieser Bereich auch als Erscheinen Gottes in der Facette als „El Schaddai – Der Allmächtige“ sowie die Facette des Sohnes Gottes in Auferstehungs- und Regierungskraft zu interpretieren, weil deren Stimmen, wie das Rauschen vieler Wasser ist (vgl. Hesekiel 1,24a i.V.m. Offenbarung 1,15b).
 
Hesekiel 1,24a (Neue Jerusalemer Bibel):
24a Ich hörte das Rauschen ihrer Flügel; es war wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen, wie die Stimme des Allmächtigen. …
 
Offenbarung 1,15b:
…, 15b und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; …
 
=> Die Dimension von „El Schaddai“ ist verbunden mit dem Charakter des Versorgenden.
Dieser Name steht mit Fruchtbarkeit in Verbindung, wobei der erste Teil seines Namens für die Fülle seines Reichtums steht. Der zweite Teil offenbart seine Person, seinen Willen und seine Vorsorge für sein Volk.
 
Der Name „Schaddai“ ist von einem hebräischen Wort abgeleitet, das „Mutterbrust“ bedeutet. Auf Gott übertragen hat es den Sinn: „Er ist der Eine, der herzt.“ Das führt zu der Schlussfolgerung von der fürsorglichen Mutterliebe Gottes zu sprechen.
 
„El Schaddai“ ist der meistgebrauchte Name, womit das Verhältnis Gott zu seinen Kindern ausgedrückt wird. Die Mutter ist für den Säugling alles und genug. Er schmiegt sich an ihre Brust, weiß sich dort sicher und ist versorgt. Dort empfängt er alles, was er nötig hat. Der Name „El Schaddai“ ist ein anschauliches Bild der sorgenden und schützenden Liebe Gottes.
 
Die Präsenz von „El Schaddai“ entspricht einer Kuh, die an ihrem Euter mehrere Zitzen aufweist und somit mehrere ihrer Kälber zeitgleich mit Milch ernähren kann. <=
 
(Anm.: Die Worterklärung in „=>“ gesetzt zu dem Namen „El Schaddai“ ist teilweise aus dem Buch „Namen des Ewigen“ von Dr. Abraham Meister, Wortnummer: 112, Seite 141-145 entnommen.)
Somit wird deutlich, dass aus der Positionierung im Zentrum der Stimme Gottes seine versorgende Führung für uns als auch der Wandel in der regierenden Sohnschaft in Christus Jesus resultiert.
 
Umrahmt von der Kommunikation Gottes und das Lamm
 
Unsere geistliche Kommunikation zu den Menschen sollte in erster Linie von der Präsenz der Kommunikation Gottes in der Weise umrahmt sein, so dass wir nur die Dinge sprechen, die der HERR zu den Menschen kommunizieren möchte. Es geht dabei um eine dienende Haltung gegenüber dem Heiligen Geist nur das auszusprechen, was im Willen Gottes ist (vgl. 2.Petrus 1,21).
 
2.Petrus 1,21:
21 Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.
 
Das schnell fließende Wasser im Jordan soll uns als Hinweis darauf dienen, dass der HERR sein Wort durch Zeichen bestätigt und somit schnell ausführt, was auch einer zweifachen Manifestation gleichkommt, die biblisch ein Zeichen für übernatürliche Beschleunigung ist (vgl. 1.Mose 41,32).
 
1.Mose 41,32:
32 Dass aber dem Pharao zweimal geträumt hat, bedeutet, dass Gott solches gewiss und eilends tun wird.
 
Die zweifache Manifestation umfasst das gesprochene prophetische Wort mit dem darauffolgend bestätigenden Zeichen.
 
Um in eine tiefere Ebene der Wahrheit Gottes in Form von offenbarender Wahrheit zu gelangen, sollten wir uns in die Dimension der Kommunikation Gottes in Form der Wahrheit seines Wortes begeben, was zur Folge hat, dass sich Jesus Christus in der Facette des Wortes Gottes nähert.
 
Diese Annäherung leitet dazu über, dass wir uns im Geist im Thronraum Gottes aufhalten, wo sich das kristallene Meer befindet. Dort steht das Lamm Gottes, wie geschlachtet mitten zwischen dem Thron, den vier Wesen und unter den Ältesten (vgl. Offenbarung 5,6).
 
Offenbarung 5,6:
6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.
 
Wir verstehen es als keinen Zufall zu betrachten, dass sich Johannes der Täufer im Wasser des Jordans aufhielt, während er Christus, der die Wahrheit des Wortes Gottes ist, erlaubte näher in seinen Bereich zu kommen. Daraus ergab sich somit, dass Johannes Christus als Lamm Gottes sah, das die Sünde der Welt hinwegnehmen würde (vgl. Matthäus 3,13 i.V.m. Johannes 1,29).
 
Matthäus 3,13:
13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.
 
Johannes 1,29:
29 Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!
 
Die Wahrheit des Wortes Gottes und die prophetische Salbung
 
Anhand der Annäherung Jesu in Form des Wortes Gottes wird deutlich, dass es erforderlich ist, die Wahrheit des Wortes Gottes in den Bereich der prophetischen Salbung zu bringen.  Dadurch wird das geschriebene Wort Gottes in die offenbarende Wahrheit transformiert, woraus ein Klang resultiert, der ein Voranschreiten umfasst, denn Klang erzeugt Bewegung. Dieses Prinzip wird darin deutlich, dass „Juda – Lob, Preis“ den Stämmen Israels voranmarschierte (vgl. 4.Mose 10,14 i.V.m. Richter 20,18).
 
4.Mose 10,14a:
… 14a nämlich das Banner des Lagers der Söhne Juda brach zuerst auf, Heerschar nach Heerschar, …
 
Richter 20,18:
18 Die machten sich auf und zogen hinauf nach Bethel und befragten Gott und sprachen: Wer von uns soll zuerst hinaufziehen in den Kampf gegen Benjamin? Der HERR sprach: Juda soll anfangen.
 
Das Prinzip des Näherkommens Jesu in die Gegenwart von Johannes, wird ebenfalls im Buch der Offenbarung deutlich. Es heißt in Offenbarung 5,1.6-7, dass sich das Lamm dem Thron Gottes näherte. Dann empfing das Lamm die mit sieben Siegeln versiegelte Schriftrolle aus der rechten Hand des Allmächtigen.
 
Offenbarung 5,1.6-7:
1 Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. …
6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Gestalten und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. 7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.
 
Innerhalb dieser versiegelten Schriftrolle befand sich die Zukunftsplanung der Gerechtigkeit Gottes. Für uns bedeutet das vor allem, wie wichtig es ist, sich mit der in uns bereits etablierten Wahrheit des Wortes Gottes in die prophetische Gegenwart des HERRN zu begeben.
 
Wenn wir das zulassen und den Heiligen Geist darum bitten, wird uns möglich tiefere Offenbarungserkenntnis über die Wahrheit zu erhalten, bei der es sich um offenbarende Wahrheit handelt. Diese Empfängnis von Wahrheit, die mit einem empfänglichen und demütigen Wandel im Geist verbunden ist, beinhaltet ein Leben im Lamm Gottes, was wahre Opferbereitschaft voraussetzt.
 
Wir haben die Freiheit in Christus zu wählen, was wir als unsere Normalität ergreifen und dürfen hierbei auf zwei Extreme achten, die den geistigen Wandel unbemerkt gegen eine seelische Lebensweise „ersetzen“ können. Das eine Extrem beinhaltet meistens eine sehr irdisch gesinnte, verstandesorientierte sowie humanistisch geprägte Denkweise mit dazu passenden Normen. Die Auswirkungen sind meist eine bestimmte Zurechtweisung des Geistlichen im Minimieren oder Abmildern zugunsten von Menschen (Anm.: die sich womöglich zu stark herausgefordert oder beleidigt sehen könnten, usw.).
 
Das andere Extrem ist oftmals ein seelisch geprägtes Wunschdenken in allem „hoch geistlich“ zu erscheinen oder hinter allem Zeichen und Hinweise von Offenbarung zu sehen, die gar nicht vom Heiligen Geist hervorgehoben sind, sondern aus eigener Kraft geschaffen werden. Das wirkt sich meist in einem Zustand aus, der schon häufiger berechtigt als ein „Vergeistlichen“ von Zusammenhängen beschrieben werden kann, was mit einer übertriebenen Suche oder Eifer nach übernatürlichen Offenbarungen, Zeichen und Prophetien verknüpft wird und anstrengend sein kann für einen selbst und andere.
 
Beide Formen vom Umgang mit dem Übernatürlichen, als dem Bereich von offenbarender Wahrheit wirken sich störend aus, weil sie in ihrer Polarität nicht geistgeleitet sind und somit nicht zur Ausdehnung von Wahrheit beitragen.
 
Es ist deshalb unersetzbar, dass wir unsere eigenen Vorstellungen niederlegen sowie opfern, um dem Lamm Gottes in dessen höchsten Macht und Stärke unsere ganze Aufmerksamkeit zu geben, während wir uns eben nichts mehr an Gnade dazu verdienen können. Diese Wahrheit als normal anzuerkennen, eröffnet uns im Geist den Bereich der Fülle Gottes im Zugang zu offenbarender Wahrheit, selbst wenn sie umkämpft ist.
 
Amen und Amen.
 
In Seiner Weisheit,
 
Daniel und Tina Glimm